Sonntag, 21. Oktober 2018

TUIfly

TUIfly

Warten

'Das Fahrrad kommt so aber nicht mit!'

'The bicycle musst be in a box.' sagte mir die freundliche Dame am Check-in. Sonst würde es nicht in den Sperrgepäckscanner passen.

Meine Argumente, dass es doch ordentlich verpackt sei, lies sie erstmal nicht gelten und holte ihren Supervisor.

Die weniger feundliche Frau Supervisor wiederholte, dass das Fahrrad in einer Box verpackt sein müsse. Mein Argument, dass das Paket ja dann noch größer wäre und erst recht nicht durch den Scanner passen würde, lies sie auch nicht gelten. Sie würde mir die Bestimmungen von TUIfly ausdrucken und gleich wiederkommen.

Zurück kam sie dann mit einer Dame von TUIfly, die nun auch deutsch sprach.

Nach einigen Diskussionen in Spanisch, Englisch und Deutsch hievten wir dann das Fahrrad mehr oder weniger quer in den Scanner. Ein anderer Mitarbeiter sagte dann zu, das Fahrrad nach dem Scanner in Empfang zu nehmen...

Es ist immer wieder spannend zu sehen, dass ich offenbar der einzige Reisende in ganz Europa bin, der sein Fahrrad im Flugzeug mitnimmt. Es gibt JEDES Mal Probleme.

Montag, 15. Oktober 2018

Best Hotel Costa Ballena

Im Hotel

Jürgen ist da!

Am Ziel

Nach 1.089 Kilometern bin ich am Atlantik angekommen.

Was macht denn der Radfahrer mit der Luftpolsterfolie in den Baumwollfeldern?

Irgendwo im Nirgendwo

Wenig attraktives Küstenvorland

22. Tag: Jerez de la Frontera - Costa Ballena. 37 km, 170 Höhenmeter

Der letzte Tag der Tour ging von Jerez an die Küste durch wenig attraktives Küstenvorland.

Ich bin meist auf nicht asphaltierten Straßen an Bauernhöfen vorbeigefahren. Ich hatte die ganze Zeit starken Gegenwind - der Atlantik ist nah -, so dass die Etappe über eine Stunde länger gedauert hat, als üblich und nochmal recht anstrengend wurde.

In der Nacht hatte es geregnet. Noch in Jerez bin musste ich mein Fahrrad über ein kleines Stück Wiese schieben, um zu meinem Weg zu gelangen. Das waren höchstens 15 Meter, aber der Weg war dermaßen lehmig, dass er mir das ganze Fahrrad verklebt hat: das Zeug ist zwischen den Schutzblechen und dem Reifen hängen geblieben, so dass sich der Reifen nicht mehr gedreht hat.

Auch an meinen Schuhen und den Pedalen blieb es hängen, so dass ich noch nach Kilometern auf den Pedalen herumgerutscht bin.

Mein Fahrrad sah aus wie Sau. Das erste Mal auf dieser Tour.

Auch sonst war die Strecke wenig attraktiv. Sie wurde vor allem vom Müll bestimmt, der überall im Straßengraben lag. Von den üblichen Cruzcampo-Dosen über Ölkanister bis hin zu Kloschüsseln war alles dabei. Die Spanier sind diesbezüglich Dreckschweine.

Auch die Bauernhöfe waren wenig attraktiv: wenig gepflegt und meist mit allerlei verrostetem Gerümpel versehen.

Interessant waren allerdings die zahlreichen Baumwollfelder, die heute das bestimmende Bild ausmachten. Als Radreisender mit Luftpolsterfolie kam ich mir vor wie ein Außerirdischer aus einer anderen Welt.

Samstag, 13. Oktober 2018

Jerez de la Frontera

Jerez de la Frontera

Die Apotheke unten ist in Betrieb. Die Stockwerke obendrüber verfallen. Links daneben ist ein wahnsinnig attraktiver Neubau.

Jerez de la Frontera

Sonnenterasse in meinem Hotel

Leroy Merlin

Hab heute schon Verpackungsmaterial für mein Fahrrad für den Rückflug gekauft. Das muss ich morgen auf der letzten Etappe noch mitnehmen.

Leroy Merlin heißt der Baumarkt.

?

Baumwolle

Baumwolle

Was ist das?

Bienenstich

Zwischenfall am Mittag: mir ist eine Biene in den Luftschlitz meines Helms geflogen. Das hat man davon, wenn man mit Helm fährt.

Erst wusste ich nicht, was es war. Dann habe ich gemerkt: oh - ein Stich - es fängt an, weh zu tun.

Ich unter den Helm gefasst - und da hatte ich den Stachel am Finger und wusste, dass es eine Biene war. Sie hatte mir in den Kopf gestochen.

Ich angehalten und den Helm abgesetzt - erst da ist die Biene rausgefallen: sie hing wohl die ganze Zeit noch im Luftschlitz meines Helms.

Ich überlegt: was machst Du jetzt? - Eiswürfel hast Du keine und auch sonst nichts. Also einfach mit Wasser abgespült und weiter. Hab überlegt, ob ich zur nächsten Apotheke fahren soll. Aber das wäre dann eh erst in Jerez gewesen.

Unterdessen lies der Schmerz nach und nach zwei Stunden spürte ich gar nichts mehr. Sie hat mich wohl nicht richtig getroffen.

Sie wird es wohl nicht überlebt haben.

21. Tag: El Bosque - Jerez de la Frontera. 65 km, 500 Höhenmeter.

Heute habe ich den tausendsten Kilometer dieser Tour hinter mich gebracht.

Also. Ich muss nochmal sagen, dass die Übernachtung in El Bosque absolut schön war. Das urige Dorfrestaurant, das gute Essen, der nette Besitzer, der schöne Ort - da hat einfach alles gepasst. Toll!

Bei strahlendem Sonnenschein ging es heute Morgen los. Eine wunderbare Bergkulisse im Hintergrund. Ein tolles Bild!

Es ging nun auf einer Landstraße mehr oder weniger geradeaus über leicht welliges Gelände.

Irgendwann tauchte Arcos de la Frontera auf, dessen weiße Häuser wie Puderzucker auf einen Bergrücken gestreut sind. Zwei Kirchen am obersten Punkt. Wunderbar!

Ich konnte es nicht lassen und habe mein Fahrrad hoch in den Ort geschoben. Ich wollte ein Foto von oben mit Blick auf die Stadt und die Landschaft haben. Das war aber durchaus eine Anstrengung für sich: die Straßen sind teilweise so steil, das selbst schieben kaum noch ging. Die Einheimischen und die Touristen haben mich ungläubig angeguckt...

Oben habe ich dann mein Foto gemacht und einen Kaffee getrunken. Dann wieder runter und weiter.

Im zweiten Teil ging es dann auf der alten Landstraße weiter: eine neue Straße wurde vierspurig nebedrangesetzt - ich hingegen fuhr auf der alten Straße. So hatte ich zwar den Lärm von nebenan, war aber ansonsten vollkommen allein unterwegs.

Schließlich kam ich in die Ausläufer von Jerez. Es ging direkt an der Rennstrecke vorbei. Gesehen habe ich davon nichts, aber gehört: zig Motorradfahrer, die hier ihre Runden drehten.

Rund um die Rennstrecke war die Straße ein einziger Müllhaufen: offenbar schmeißen die Spanier vor und nach dem Besuch der Rennstrecke alles Mögliche in den Straßengraben. Schrecklich.

Hier habe ich das erste Mal Baumwolle auf dieser Tour gesehen und in der Hand gehabt: fühlt sich an wie Watte.

Nun bin ich in Jerez. Morgen noch eine Etappe - dann bin ich am Atlantik und die Tour ist zu Ende. Kaum zu glauben.

Arcos de la Frontera

Bei Kilometer 1.000

Letzter Blick auf die Berge

Freitag, 12. Oktober 2018

El Bosque

Von diesem Ort habe ich eigentlich gar nicht viel erwartet. Er war nur die zweite Wahl: eigentlich wollte ich in Grazalema übernachten, das zu den schönsten Dörfern Spaniens gezählt wird, habe dort aber nichts buchen können. Alles ausgebucht.

Umso positiver überrascht bin ich, dass dieses 2.200-Seelen-Dorf ein wirklich sehr schöner andalusischer Ort ist, mit allem, was dazu gehört: schöne Plätze, verwinkelte Gassen, typisch andalusische Häuser, weißgetüncht, mit schwarzen schmiedeeisernen Gittern an den Fenstern und dicken dunklen Holztüren.

Heute ist Nationalfeiertag in Spanien. ALLE sind auf der Straße. Das macht es besonders schön.

Als ich heute um 16 Uhr hier ankam, war gerade Mittagessenszeit. Mein Hotel-Restaurant ist DER Treff: es saß ALLES voll.

Ich habe gerade noch einen Platz bekommen und dann einen gemischten Salat, Medallions vom Hirsch und einen Käsekuchen gegessen. Dazu einen Tinto de Verano. Es war sehr, sehr lecker. Um zehn nach fünf war ich mit dem Mittagessen fertig - meine Nachbarn waren allerdings erst beim Hauptgericht. Sind halt andere Zeiten hier.

Nun sitze ich auf dem Platz vor dem Rathaus. Um mich herum zahlreiche Bars und Tavernen.

Auf dem Platz hängt ein Schild 'Prohibido jugar a pelota'. Die Kinder stört das nicht: es wird Fußball gespielt, was das Zeug hält. Spaniens Nationalspieler haben sicher alle mal auf einer 'Plaza Mayor' oder 'Plaza de España' mit dem Fußballspielen angefangen...

Eine schöne Atmosphäre und ein wunderschöner Tag.

Sierra de Grazalema

Radler gibt's auch hier

Sierra de Grazalema

20. Tag: Ronda - El Bosque. 50 km, 980 Höhenmeter

Das war der letzte hohe Punkt auf dieser Reise: der Puerto El Boyar auf 1.100 Metern. Von nun an geht es in die Ebene, bis ich schließlich am Meer bin.

Auch die heutige Etappe war wieder phantastisch und sehr abwechslungsreich.

Zu Beginn ging es durch ein Gebiet, das unseren Mittelgebirgen ähnelt. Wenn es nicht ab und zu Olivenbäume gäbe, könnte man meinen, man wäre im Odenwald.

Dann wurde es sehr viel gebirgiger. Ich kam in die Sierra de Grazalema.

Grazalema, der Hauptort, ist wunderbar hübsch am Berg gelegen. Er zählt zu den hübschesten Dörfern Spaniens. Was sicherlich berechtigt ist.

Die Sierra de Grazalema ist ein großes Brutgebiet für Gänsegeier. Es lebt hier eine der größten Populationen Europas. Am Río Majaceite leben Fischotter, Bienenfresser und Eisvögel. Reinste Natur. Und durch den Regenreichtum alles sehr grün.

Ansonsten gibt es hier auch wahnsinnige Canyons, die man durchwandern kann. Ich hatte dafür keine Zeit und man braucht außerdem eine Genehmigung der Naturparkverwaltung. Denn ohne Genehmigung darf man das Innere des Nationalparks nicht betreten. Der Natur zuliebe.

Vom höchsten Punkt hat man einen wunderbaren Ausblick in die Ebene. Von 1.100 m Höhe ging es dann in einer Fahrt von über 15 km nur bergab auf 300 m Höhe nach El Bosque, meinem heutigen Ziel.

Es stehen nun nur noch zwei Tagestouren in der Ebene an, bis ich am Meer bin. Am Atlantik.

Das Bild des Tages: eine Gottesanbeterin

Ich hab sie gebeten, mal für mich in die Kamera zu schauen.

Grazalema

Sierra de Grazalema

mit dem Hauptort Grazalema. Auch eines der 'mas bonitos pueblos de España' - eines der schönsten Dörfer Spaniens.

Und das regenreichste: die Sierra de Grazalema bildet die erste Barriere für die Wolken, die vom Atlantik kommen.

Dementsprechend regnen sich die Wolken hier erst mal ab, was die Orte in der Sierra de Grazalema zu den regenreichsten Spaniens machen. Und Grazalema ist damit der regenreichste Ort Spaniens.

Heute allerdings war wunderschönes Wetter und keine Wolke am Himmel.

Viele Grüße aus der Provinz Cádiz!

Donnerstag, 11. Oktober 2018

19. Tag: Ronda. 14 km, 290 Höhenmeter

Heute morgen hat es geregnet. Also habe ich einen Gemütlichen gemacht und die Wohnung erst einmal nicht verlassen.

Gegen Mittag bin ich dann doch raus. Ronda bei Regen ist nur halb schön. Ich habe die alte Brücke und die arabische Brücke angeschaut, die die zwei Stadtteile früher verbunden haben, bevor die bekannte neue Brücke gebaut wurde.

Dann war ich in den arabischen Bädern. Angeblich die mit am besten erhaltenen im ganzen Land. Interessant war ein Film, den sie dazu gezeigt haben, wo sie erklärt haben wie das mit der Wasserzufuhr und der Beheizung funktioniert hat. Sehr sehenswert.

Am Nachmittag ist es dann doch wieder wunderschön geworden, und ich konnte den Rundweg um Ronda fahren bzw. mehr laufen, den ich mir vorgenommen hatte.

Es ging ganz runter ins Tal, das man von oben gesehen hat. Vorbei an alten Mühlen und mit noch mal einem ganz anderen Blick auf die Brücke, die Steilwand und das Felsplateau, auf dem Ronda erbaut ist.

Zum Schluss noch ein Cafe con leche in der schönen Innenstadt.

Dass Ronda vom Tourismus verschont ist, muss ich zurücknehmen: im Reiseführer stand, dass viele Tagestouristen von der Costa del Sol nach Ronda kommen. Das habe ich dann auch gemerkt: heute im Laufe des Tages waren es sehr viel mehr Touristen, die durch die Stadt gelaufen sind, und die zahlreichen Andenkenläden begutachtet haben.

Gegen Nachmittag sind dann aber die Busladungen wieder abgereist und es wurde wieder ruhiger in Ronda.

Aber insgesamt kann ich sagen, dass Ronda ein absolutes Highlight ist und auf jeden Fall einen Besuch wert ist!

Ronda bei Regen

Ronda

Ronda

Ronda

Ronda

Hier ist es nun. Das bekannteste Andalusienmotiv nach der Alhambra: die Brücke in Ronda. In schönstem Sonnenschein. Ein absoluter Wahnsinn!

Ronda ist wirklich sehr schön. Wie diese Stadt gelegen ist auf dem Felsen mit der Schlucht - das gibt es nirgendwo anders.

Es ist außerdem an sich eine sehr schöne Stadt. Die Innenstadt ist sehr gepflegt, es gibt schöne Plätze, eine schöne Fußgängerzone und schöne Geschäfte, und die negativen Auswirkungen des Tourismus halten sich auch in Grenzen.

Ich bin froh, dass ich jetzt zwei Tage hier bin.

Was macht der geneigte Autofahrer auf diesem Schild?

Nicht mehr auf Fahrradfahrer aufpassen?

Die Schilder werden auch immer größer